Ein Rückblick auf die Entwicklung der Stoffwindel

Gastbeitrag von www.1bis3.de

Wie sich die Stoffwindel in den Jahren 2003 – 2018 verändert hat!

Hallo, ich bin Sabine und habe mit meinem Mann den Online-Shop 1bis3.de aufgebaut. Den Shop gibt es seit 2006 aber ich habe mich schon seit 2003 mit Stoffwindeln beschäftigt.  Und wenn ich zurückblicke, dann fällt mir auf welch große Veränderungen sich in den letzten 15 Jahren ergeben haben.

Und dieser Wandel ist nicht nur die größere Vielfalt an Stoffwindeln. Es ist auch eine größere Bereitschaft der Eltern da sich mit dem Thema Stoffwindeln auseinander zu setzen.

Heute kaum noch vorstellbar, aber noch vor ca. 15 Jahren gab es noch lange nicht so viele Online-Händler wie heute. Und so wurden die Stoffwindeln meistens nur über die Kataloge diverser Naturtextilversendern verkauft. Oder über Hebammen oder Naturkostgeschäfte.

Informationen über Stoffwindeln gab es meist nur über Hebammen, Stillgruppen wie die La Leche Liga oder „alternative“ Elterngruppen. Oder über die Webseite www.naturwindelforum.de. Diese Seite gibt es sogar schon seit 1998 und war (ist) die Seite einer sehr engagierten Mutter.

Was gab es damals so? Natürlich Mullwindeln, Bindewindeln und Frotteewindeln mit Überhosen aus Wolle oder einer einfachen Mikrofaserüberhose. Es gab auch Höschenwindeln von Lotties, Popolini, Bendel und Mother-Ease. Was sie alle gemeinsam hatten: die Hauptfarben waren beige und weiß. Nur selten ein bisschen Muster. Wickeln mit Stoff war eher was für „Ökos und Hippies“ und die Windeln waren nicht schick. Das kam erst ein paar Jahre später.

Der Einzug der bunten Stoffwindel

Als 2006 unser zweites Kind zur Welt kam hatte sich der Markt schon etwas verändert. Auch in Deutschland waren nun einige wenige bunte Windeln zu erhalten.

So gab es von TotsBots plötzlich bunte Baumwollwindeln! Die bisherigen Höschenwindeln aus naturfarbenem Baumwollfrottee wurden plötzlich mit bunten Frotteewindeln ergänzt und auch die Überhosen wurden bunt. Endlich Farbe im Windelregal!

Eine Sensation waren auch die sogenannten Komplettwindeln und Pocketwindeln. Vorher bestand eine Windel immer aus zwei Teilen: der Stoffwindel und der Überhose. Heute sind Komplettwindeln (auch All-in-One genannt) ein fester Bestandteil in jedem Stoffwindelshop.  Saugwindel und Überhose sind miteinander vernäht und supereinfach anzulegen. Quasi wie eine Wegwerfwindel.  Und dann noch so pflegeleicht. Etwas völlig anderes als die naturfarbenen Windeln mit Wollüberhosen.  Ich glaube der Onlineshop BabysNatur war damals einer der ersten Shops in Deutschland der solche Windeln anbot.

Wie schon erwähnt: Bindewindeln gab es schon länger und die waren sehr bekannt. Erfunden hat sie wohl die Firma Disana. Und seit über 30 Jahren werden sie noch immer auf der Schwäbischen Alb produziert. Disana hat sich später stark auf Wollprodukte spezialisiert. Doch das ursprüngliche Windelprogramm aus Bindewindeln, Mullwindeln, Moltontücher und Wollüberhosen ist immer noch im Sortiment. Ich weiß nicht mehr in welchem Jahr es war: aber bei einer meiner abendlichen Recherchen für neue Shop-Produkte stieß ich auf einen amerikanischen (!) Windelshop der tatsächlich Disana Wollüberhosen in FARBE anbot. Glücklicherweise traf ich Elmar Sautter kurz darauf bei einer Messe und sprach das Thema an. Und wer nicht fragt bekommt keine Antwort – und meine Antwort war positiv: Disana würde mir auch solche Windelüberhosen stricken! Ich musste nur eine bestimmte Menge pro Größe/Farbe abnehmen. Und so kann ich stolz sagen: wir bei 1bis3.de waren die ersten in Deutschland die die Disana Wollüberhosen in pink und blau anbieten konnten! Kurz darauf wurden die farbigen Wollüberhosen in das Standard-Programm aufgenommen. Jetzt sind sie allseits bekannt und beliebt.

Der Weg der Bambusviskose

Windeln aus Bambusviskose sind heute ein Standardprodukt. Doch dieses Material ist auch erst seit einigen Jahren (ca. 12 Jahren) als Windelstoff vertreten. Die ersten Höschenwindeln aus Bambusviskosefrottee bekamen wir von der englischen Firma Babeco. Es waren einfache Höschenwindeln, entweder ohne Verschluss oder mit Klett. Die Farbwahl war zu Beginn sehr eingeschränkt: natur, hellblau und babyrosa. Aber immerhin Farbe! Bald darauf gab es diese Windeln auch aus reiner Mikrofaser.  Auch das war neu. Babeco gibt es mittlerweile nicht mehr.

In Schweden wiederum gibt es seit 1988 die auch in Deutschland bekannte Firma Imse Vimse. Stoffwindeln machen sie auch heute noch. Doch vor über 10 Jahren war das Schnittmuster völlig anders. Es gab eine sogenannte Contour-Diaper aus Baumwollflanell oder Baumwollfrottee. Die Windel hatte die Form einer Sanduhr und es gab weder Knöpfe noch Klett zum verschließen. Die Windel wurde mit Hilfe der Klettüberhose am Popo gehalten.

Der Erfolgsweg der Stoffwindel setzt sich fort

Um 2008/2013 herum wurden noch weitere jetzt bekannte Stoffwindelshops/Hersteller gegründet: So z. B. Stoffwindeldesign mit den hu-da PUL Schlupfhosen. Gründerin ist Sybille Geiger in Österreich. Sie entwickelte einen PUL Schlupfhose mit weichen Bündchen aus Mikrofaserfleece an Bauch und Beinchen und zusätzlich einer zweiten Lage PUL in der Schrittmitte.

Ebenfalls tolle, bunte Walküberhosen in lang und kurz. Ich war eine ihrer ersten Händlerinnen in Deutschland, mittlerweile ist sie mit ihren Naturwindeln, Überhosen und Saugeinlagen in ganz vielen Shops vertreten.

Und auch die Windelmanufaktur nahm zu dieser Zeit ihren Anfang. Das was Stephanie Oppitz damals ganz klein aufgebaut hat, ist mittlerweile ein stetig wachsendes Unternehmen in Dresden mit mehreren Mitarbeitern aus vielen unterschiedlichen Kulturen.   Die kleine Haushaltsmaschine ist mittlerweile großen, professionellen Schnellnähern gewichen.

Es gibt noch viel, viel mehr Geschichten über Windelmarken und kleine Labels zu erzählen. Aber das wird zu viel.

Aber eines ist klar: seit 2006 haben sich Stoffwindeln in Deutschland mehr und mehr verbreitet. Das liegt nicht unerheblich an den tollen Foren wie www.naturwindeln.de , www.rabeneltern.org, www.stillen-und-tragen.de oder auch den Facebook-Gruppen. Und es gibt immer mehr Onlineshops mit vielen engagierten Eigentümerinnen. (Ja, es sind meist Frauen daher hier bewusst die weibliche Form).

Dazu gibt es auch mittlerweile immer mehr Stoffwindelberaterinnen die z. B. durch die Stoffwindelexperten ausgebildet werden. Diese Beraterinnen sind oft noch in anderen Baby-Familienbereichen unterwegs wie z. B. Hebammen, Trageberaterinnen, Familiencoaches, Pekip-Leiterinnen, etc. Viele dieser Beraterinnen haben Blogs oder einen Youtube Kanal und Facebookseiten und bieten vielfältige Informationen darüber an. Und auch in den klassischen bekannten Medien wie „Eltern“ und Tageszeitungen gibt es erfreulicherweise immer öfter Berichte über Stoffwindeln.

In Österreich gibt es schon seit vielen Jahren einen Windelgutschein der es den Eltern ermöglicht einen staatlichen Zuschuss zur Ausstattung zu erhalten. In Deutschland besteht in dieser Hinsicht noch sehr viel mehr Bedarf und es wird sehr unterschiedlich in den Städten und Regionen gehandhabt.

Aber wer weiß was da noch in den nächsten Jahren passiert. Und vielleicht kann diese Webseite hier dazu beitragen das immer mehr Familien in Deutschland Stoffwindeln benutzen und sogar einen Zuschuss erhalten.

Solltest du auch noch tolle Erfahrungen und Erinnerung an die Entwicklung der Stoffwindel haben, teile diese mit uns in den Kommentaren!

1bis3.de

Sabine Bauer

Ein Gedanke zu „Ein Rückblick auf die Entwicklung der Stoffwindel“

  1. Hallo liebe Sabine, ein sehr schöner Rückblick. Auch ich habe damals 2001 mit einem Ladengeschäft angefangen und 2006 mir dann einen Onlineshop erstellt. Ich weiß gar nicht mehr wie die Firmen hießen, die ich angeboten habe. Es waren einfache geformte Windeln mit Microfaserhosen in weiß (gab ja noch nichts buntes:). Auf alle Fälle war damals schon disana mit im Sortiment.

    LG
    Simone

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