Stoffwindeln selber nähen

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Gastbeitrag von fluff store! 

Wenn man sich dazu entschieden hat, sein Baby mit Stoffwindeln zu wickeln, ist man ja schon so ein verunsichert beäugter Sonderling in der durchschnittlichen Pekipgruppe. Wenn man dann auch noch auf die Idee kommt, die Stoffwindeln selbst herzustellen, begibt man sich definitiv auf den Weg zu den Ultrafreaks. Schließlich kostet das Stoffwickeln ja schon so viel Zeit, und dann auch noch selber machen? Und außerdem ist das doch bestimmt irre kompliziert! Oder?
Jein. Stoffwindeln sind toll! Selbstgemachte Stoffwindeln sind noch toller!
Ich möchte euch hier eine kurze Einführung in die Welt der handmade Stoffis geben und diejenigen von euch, die eine Nähmaschine bedienen können, vielleicht dazu motivieren, es auch mal auszuprobieren und im fluff store vorbeizuschauen.
Über die allgemeinen Vorteile von modernen Stoffwindelsystemen gegenüber Wegwerfwindeln seid ihr bestimmt schon informiert, sonst wärt ihr ja nicht hier. Selbstgenähte Stoffwindeln bieten gegenüber gekauften nun noch ein paar weitere Vorteile:

Gestaltung
fluff-storeWenn ihr eure Stoffis demnächst selber näht, seid ihr absolut frei in Gestaltung und Design. Ihr könnt eine Windel passend zum Outfit nähen, euren Lieblingsjerseyrest noch mal gekonnt in Szene setzen oder eine Partnerlookwindel passend zum Geschwisterkleidchen nähen.
Dieser Punkt ist sicher einer der Hauptgründe, warum Stoffwindeln nähen so unglaublich viel Spaß macht. Ich hatte bei meiner großen, leider mit Wegwerfwindeln gewickelten Tochter, selten Spaß am Wickeln. Bei der Kleinen war Wickeln dank der vielen bunten Werke meiner eigenen Schöpfung aus dem fluff store fast schon ein Abenteuer. 😉

Materialwahl
Ihr mögt Pockets, findet aber Microfaser doof? Kein Problem – näht euch halt eine Pocket mit natürlichem Innenfutter. Euer Baby neigt zu Druckstellen? Dann zaubert ihm Windeln mit besonders komfortablen Bündchen. Euer Kind ist Neurodermitiker und stellt besondere Ansprüche an die Materialien? Mit selbstgenähten Windeln könnt ihr genau schauen, welche Materialien mit der Haut in Berührung kommen. Oder sind euch ökologisch hergestellte Stoffe wichtig? Auch kein Problem, wenn ihr selber näht!

Passform
Sicherlich ist die Passform auch eines der Hauptargumente für das Selbernähen von Windeln. Diejenigen von euch, die bereits Stoffwindeln gekauft haben, kennen das vielleicht: Da verliebt man sich in ein System, in ein Design, in eine Windelmarke, deckt sich damit ein und dann… passt sie einfach am Nachwuchs nicht so recht. Hier zu kurz, da zu lang, dort zu dick. Babys und Kleinkinder sind eben keine Konfektionsware, sondern kleine Individuen mit ihren ganz eigenen Proportionen. Auf diese Besonderheiten könnt ihr beim Selbernähen von Windeln super eingehen. Druckstellen an Speckschenkelchen gehörten hier ebenso der Vergangenheit an wie „Maurer-Dekolletee“ und schlecht sitzende Riesenpakete.

Das liebe Geld
Ein häufig diskutiertes Thema. Ist das Selbernähen von Stoffwindeln günstiger, als selbe zu kaufen? Darauf gibt es keine ganz klare Antwort, denn dies hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich kann man sich mit ein paar gebrauchten Mullis und einigen ebenfalls gebrauchten Überhosen relativ günstig mit Stoffwindeln eindecken. Manche kaufen Stoffwindeln auch direkt aus China, diese sind zum Teil zu Tiefstpreisen von 1-4€ zu bekommen (meine diesbezüglich bestehenden Bedenken in gesundheitlichen und ethisch-moralischen Fragen seien hier nur kurz angemerkt). Auf der anderen Seite kostet so eine Stoffwindel je nach System, Herstellungsort, verwendetem Material und Markennamen 20-40€, teilweise auch mehr. Im Vergleich zu diesen Windeln ganz klares ja, das Selbernähen von Stoffis ist günstiger. Zumindest dann, wenn ihr nicht eure Arbeitszeit rechnet (was ihr vermutlich, wenn ihr das Nähen von Windeln nur hobbymäßig betreibt, nicht macht).
So richtig günstig wird es dann, wenn ihr eure Materialien nicht oder nur zu einem kleinen Teil kaufen müsst, sondern vorhandene Materialien upcycelt. Und das bringt uns zum nächsten riesen Vorteil des Selbernähens:

Upcycling
Upcycling ist so toll! Ernsthaft! In unserer permanent konsumierenden Wegwerfgesellschaft haben wir völlig den Blick dafür verloren, dass die Herstellung von Produkten aller Art jede Menge Ressourcen (Material, Zeit, Arbeitskraft, Geld usw.) kostet und eine Belastung für die Umwelt und den Planeten darstellt. Da ihr euch vermutlich bereits mit Umweltthemen beschäftigt und mit Stoff wickeln wollt, geht doch gleich noch eins weiter und reduziert den Kaufwahn, verwendet stattdessen bereits vorhandene Materialien.
Alte Handtücher geben zum Beispiel eine tolle Basis für gut saugende Höschenwindeln und Einlagen ab. Aber auch alte T-Shirts, löcherige Bettwäsche und andere Textilien aus Baumwolle freuen sich, wenn sie nicht im Müll landen, sondern zukünftig als Saugmaterial weiterleben dürfen.
Mein ganz persönliches Upcycling Highlight ist die „Verwindelung“ von alten Sachen aus Wollstoffen. Vielleicht ist euch ja euer Lieblingswollpullover eingelaufen, ihr habt ein Kaschmirmäntelchen von Oma geerbt oder Papa trennt sich von seiner Businesshose aus 100%Schurwolle!? All diese Dinge sind tolle Grundlagen, um Wollüberhosen oder Trainer aus Wolle zu nähen. So trug mein Kind zum Beispiel (sehr dekadent) hauptsächlich Überhosen aus alten (aber butterweichen!) Kaschmirpullis. Es gibt vermutlich nichts bequemeres, atmungsaktiveres und fluffigeres als eine Höschenwindel aus Baumwolle mit einer Longie aus Kaschmir darüber. Wenn ihr mehr zum Thema Upcycling von Wolle wissen wollt, schaut mal in die Woopcycling Datei. Die findet ihr hier: Woopcycling.

Dein Werk!
Last but not least: Es erfüllt einen mit unglaublich viel Freude, Stolz und Glück, dem kleinen Lieblingsmenschen die erste selbstgenähte Windel anzulegen. Das hat Suchtfaktor, versprochen.

Wenn ich euch jetzt überzeugen konnte, das mit den selbstgenähten Windeln einmal auszuprobieren, dann geht es jetzt hier weiter:

Was ihr braucht, um eure erste Stoffwindel zu nähen

Persönliche Voraussetzungen
Etwas Zeit, Geduld und Spaß am handwerklichen Arbeiten solltet ihr mitbringen. Stoffis nähen ist kein Hexenwerk, versprochen! Aber eine Stoffwindel ist auch keine Pumphose und so muss man sich kurz in die Thematik einfinden.

Arbeitsmittel

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Idealerweise näht ihr Stoffwindeln mit einer Nähmaschine. Per Hand nähen geht vermutlich auch, ist aber recht zeitaufwändig. 😉 Stoffwindeln werden mit einer normalen Nähmaschine genäht, eine Overlock braucht ihr nicht.
Darüber hinaus benötigt ihr je nach Material passende Nadeln (Microtext für PUL, Jersey oder Superstretch für dehnbare Stoffe, Universal für Webwaren) und qualitativ hochwertiges Polyestergarn. Stecknadeln, Klammern (wonderclips), Schneiderkreide o. Ä. zum Anzeichnen, Stoffschere, Rollschneider, Schneidematte usw. sind vermutlich vorhanden, wenn bereits andere Dinge näht.

Material
Das benötigte Material hängt natürlich stark von eurem geplanten Projekt ab. Die allermeisten hier genannten Materialien bekommt ihr in der Stoffwindelei oder schöne Stoffe bei *Allerleiwindeln.

Saugende Stoffe
Für Höschenwindeln, Einlagen, Prefolds und Co. benötigt ihr saugende Stoffe aus Baumwolle, Bambusviskose oder Hanf. Hier könnt ihr auch toll alte Handtücher, Bettwäsche (Flanell!), alte Moltontücher, Mullwindeln, Shirts und so weiter upcyceln.

Wasserundurchlässige Stoffe
Wenn ihr eine Überhose oder eine All in One Windel nähen wollt, braucht ihr noch einen Stoff, der Nässe davon abhält, nach außen zu dringen. Bei den allermeisten Windeln ist das PUL (Polyurethanlaminat). Das ist ein Polyesterjersey, der linksseitig mit einer wasserdichten aber atmungsaktiven Schicht Polyurethan laminiert ist. Bitte verwendet kein Wachstuch, laminierte Baumwolle, Softshell oder ähnliche Stoffe. Diese sind in ihrer Haptik und Funktion anders und nicht für Windeln geeignet.
Wer lieber bei natürlichen Materialien bleibt, kann ganz wunderbar Wollstoffe als Nässeschutz verwenden. Merinowollstrick, Kaschmir, Schurwolle und so weiter werden wasserundurchlässig, wenn man sie mit Lanonlin fettet. Wolle ist noch mal atmungsaktiver als PUL, hinterlässt in der Regel kaum bis keine Abdrücke und trägt sich super gemütlich. Auch Wolle könnt ihr upcyceln (s.o.). (Traut euch an Wolle! Es ist nur halb so kompliziert, wie es klingt, und sooo toll! Wie man Wollwindeln richtig fettet, könnt ihr übrigens hier nachlesen: Wollwindeln fetten)

Ggf. dekorative Stoffe
Einige Windeln könnt ihr mit dekorativen Stoffen außen nähen. Je nach Schnittmuster oder Projekt kann das Jersey, Webware oder z. B. Tragetuchstoff sein. Schaut hierfür in eure Nähanleitung.

Gummis
Für die allermeisten Windeln benötigt ihr dünne, leicht dehnbare aber haltbare Gummibänder. Diese sollten darüber hinaus eine 95 Grad Wäsche überleben. Verwendet daher bitte nur hochwertige Gummis wie die von Prym oder Wenco (baby elastic).

Verschluss (Snaps oder Klett)
Die meisten Windeln müssen geschlossen werden (Ausnahme: Höschenwindeln, die mit einer Windelklammer geschlossen werden). Hierzu werden klassischerweise (hochwertiger) Klett oder aber KAM Snaps verwendet. Manchmal funktionieren auch Druckknopfband oder Jerseydrücker. In der Regel wird man als Windelnähanfänger aber mit Snaps oder Klett starten – je nachdem, was man lieber mag.

Nadeln und Garn
In puncto Garn gibt es eine einfache Regel: Genäht wird immer mit Polyestergarn. Dieser ist haltbarer als z. B. Seide oder Baumwolle und zieht keine Feuchtigkeit, was gerade bei Überhosen wichtig ist.
Die verwendete Nadel hängt von eurem Projekt a (s. o.).

System, Schnittmuster und Nähanleitung fluff-store

Nun müsst ihr euch entscheiden, was für eine Windel ihr als erstes nähen wollt. Eine Übersicht über die gängigen Stoffwindeln mit ihrer Funktionsweise und ihren Vor- und Nachteilen findet ihr hier.
Ich rate Anfängern im fluff Store im Allgemeinen dazu, zunächst eine Höschenwindel zu nähen. Dadurch, dass diese komplett aus Saugmaterial besteht, kann man sich langsam in die Materie einarbeiten, ohne dass man eine durch Anfängerfehler verursacht undichte Windel erhält. Danach könnt ihr euch eine Wollwindel vornehmen. Die Wolle verzeiht Nahtfehler und aufgetrennte Nähte eher, als PUL. Wenn ihr euch fit fühlt, dann könnt ihr auch eine PUL Windel ausprobieren. Hierbei ist sauberes Arbeiten erforderlich, denn jeder Nadelstich hinterlässt in der Laminierung des Stoffes ein kleines Loch, welches an ungünstiger Stelle zum Auslaufen der Windel führen kann.
Im Netz gibt es ganz viele Schnittmuster und Anleitungen für Stoffwindeln, aus denen ihr euer erstes Projekt auswählen könnt. Häufig wird Anfängern dazu geraten, erst mal nach Freebooks zu nähen, weil man ja noch nicht einschätzen kann, ob das Selbernähen und Stoffwickeln überhaupt zu einem passt. Ich sehe das inzwischen anders. Ich selbst habe bei meinen ersten Windelnähversuchen zunächst versucht, nach deutschen Freebooks zu nähen – bin aber mangels Erfahrung bereits an den ganzen Begrifflichkeiten gescheitert und habe nichts verstanden. Ich hätte nach meinen ersten Versuchen fast aufgegeben und hab ein halbes Jahr alle Stoffwindeln gekauft, weil ich so frustriert von meinem scheinbaren Unvermögen und dem mangels Passform und Funktionalität vergeudeten Material war.
Über englische Tutorials habe ich mir das Thema dann nach und nach angeeignet. Damit sich nicht jeder so wie ich damals mühsam alles selbst beibringen muss, gibt es inzwischen den fluff-store, in dem ihr ausführliche und leicht verständliche Nähanleitungen und passformoptimierte Schnittmuster zu allen möglichen Stoffwindelsystemen bekommt. Neben dem fluff-store gibt es natürlich auch noch andere (deutsch- und englischsprachige) Anbieter toller Stoffwindelebooks. Egal, für welchen Anbieter ihr euch entscheidet, ob fluff store oder ein anderer: Investiert die 5-6€ in einen vernünftigen Schnitt und ein gut ausgearbeitetes eBook. Das spart eine Menge Frust, Zeit und Material und ihr lauft nicht Gefahr, die Lust am Selbernähen gleich wieder zu verlieren.

Die fluff store Selbsthilfegruppe
Wenn ihr Lust habt, euch mit anderen Stoffwindelnäherinnen auszutauschen, eure Werke zu zeigen oder einfach die ein oder andere Frage in einer netten Runde zu stellen, dann kommt unbedingt in die fluff store Selbstshilfegruppe auf Facebook. Die findet ihr, wenn ihr in die Suche „fluff store Selbsthilfegruppe“ eingebt. Wir sind ein netter Haufen und haben neben einem freundlichen Austausch auch jede Menge Erfahrung und Tricks für euch auf Lager. Und wenn ihr möchtet, nimmt euch ein erfahrener Fluffianer an die Hand und unterstützt euch bei den ersten Schritten.

Und zum Schluss…
… ein nicht ganz ernstzunehmender, kleiner Hinweis, den ich auf Drängen meiner fluff-store Mitglieder hier einfüge: Stoffis nähen macht schnell süchtig. Bevor ihr also mit dem Nähen anfangt, seid euch bewusst, dass euer neues Hobby unter Umständen ein bisschen eskaliert. 😉 Denn schließlich machen wir nicht Halt bei Windeln (von denen man ja ohnehin nie genug haben kann), nein. Aus den Resten vom Windel-nähen kann man noch ganz toll waschbare Stillpads (Freebook dazu im fluff store!), Binden und Slipeinlagen (lady fluff) nähen.

Wenn du Lust hast zu starten, findest du im Bereich Aktionen auch einen Rabattcode für deine erste Schnittmuster Bestellung.

So, das war es in Kürze. Ich hoffe, dieser Beitrag inspiriert den ein oder anderen von euch, es mal zu versuchen und ich freue mich ganz doll, euch in der fluff store Facebookgruppe begrüßen zu dürfen.

Beate „Lady MacFluff“ vom fluff store