Windelfrei erziehen – So geht es auch ohne Windeln!

Windelfrei erziehen – So geht es auch ohne Windeln!

Windelfrei wird naturgemäß in weiten Teilen der Welt praktiziert. Fast 80% der Kinder werden (zumindest teilweise) ohne Windelgroßgezogen. Leider ist dies allerdings rückläufig, da die industrielle Windel auch immer weiter in Entwicklungs- und Schwellenländern Einzug hält. Das Wissen, wie Signale der Kinder zu deuten sind und wann und wie man Kinder abhält geben die Familien von Generation zu Generation weiter. Es gibt dafür praktische Hilfsmittel, auf die wir unter anderem in diesem Artikel eingehen werden. In Deutschland ist die Community relativ klein und man findet vergleichsweise wenig Informationen und Hilfestellungen, wie Eltern ihre Kinder ohne Windel großziehen. Wir möchten Dir daher in diesem Beitrag Hilfestellungen und Informationen zum Thema Windelfrei weitergeben. In diesem Beitrag erfährst Du daher, was Windelfrei überhaupt ist, ab wann Windelfrei praktiziert werden kann, wie Du Dein Baby abhalten kannst, wie du Windelfrei nachts praktizieren kannst, welche Windelfrei Kritik es gibt und vieles mehr.

Was ist Windelfrei?


Die Windelfrei Methode wird im Englischen Elimination Communication, also auf deutsch Ausscheidungskommunikation, genannt. Dies trifft den Kern schon sehr gut, denn es geht dabei größtenteils um die  nonverbale Kommunikation zwischen Eltern und ihrem Baby in Bezug auf seine Ausscheidungen.

Der deutsche Begriff Windelfrei ist dabei etwas irreführend, denn es geht dabei nicht primär darum, dass die Babys gar keine Windeln tragen. Ja, richtig, viele Eltern, die Windelfrei erziehen, ziehen ihren Babys eine Windelfrei Hose oder Windelfrei Windel an. Es geht dabei um eine liebevolle Beziehung zueinander und das Beachten und Befriedigen der Bedürfnisse. Hintergrund ist, dass Dein Baby ab Geburt spürt, wann es ausscheiden muss. Fast alle Babys machen dies mithilfe von bestimmten Signalen deutlich.

Wie kannst du mit Windelfrei beginnen?


Die Frage, wie Du mit Windelfrei beginnen kannst, lässt sich eigentlich sehr leicht beantworten: Probier es einfach aus! Wenn Du Lust darauf hast und Dir keinen Stress machst, kann dabei gar nichts schief gehen.

Es gibt Standardsituationen, die sich gut eignen, um mit dem Windelfrei Abhalten zu beginnen, also dem Baby das Ausscheiden gezielt anzubieten. Das ist beispielsweise direkt nach dem Schlafen, beim oder kurz nach dem Stillen oder beim Wickeln.

Außerdem machen sich Babys, wie oben schon kurz beschrieben, in aller Regel bemerkbar, bevor sie ausscheiden müssen. Etwa 90% der Babys und Kinder, die ein Geschäft machen müssen, teilen dies über verschiedene verbale und nonverbale Signale mit. Die Windelfrei Signale Deines Kindes zu lernen und zu erkennen ist hierbei das A und O. Aber welche Windelfrei Signale gibt es?

Das kann ein nach innen gekehrter Blick, Meckern, spezifische Laute, Unruhe oder ständiges An- und Abdocken beim Stillen sein. Dies ist nur eine Auswahl an typischen Windelfrei Signalen. Sie sind nämlich von Kind zu Kind verschieden und können sich mit zunehmendem Alter auch immer wieder verändern. Kinder, die lange eine Windel getragen haben oder die gerade etwas Neues lernen, signalisieren übrigens deutlich weniger. Dies hat folgende Gründe: Erstens,  sind sie daran gewöhnt, in die Windel auszuscheiden und zweitens schenken sie ihre Aufmerksamkeit nicht den Ausscheidungen, sondern den Dingen, die sie gerade neu üben und lernen.

Um die Windelfrei Signale und auch den Rhythmus Deines Kindes kennenzulernen, ist es gut, wenn Du Dein Kind zunächst ganz in Ruhe beobachtest. Optimal ist es, wenn es dabei nackt sein kann, weil du dann auch direkt bemerkst, wenn es ausscheidet. Hierbei kannst Du entweder den nahen Hautkontakt wie beim Tragen Deines Kindes suchen oder Du kannst es auf einer wasserfesten Unterlage und vielleicht einem Handtuch oder einer Mullwindel ablegen. Der Raum sollte warm genug sein. Den teuren Lieblingsteppich solltest Du lieber beiseite legen.

Wie kann Windelfrei nachts funktionieren?


Viele können es sich nicht vorstellen, dass Windelfrei nachts auch funktionieren kann. Tatsächlich ist das gar nicht so schwierig. Wie immer gilt hier jedoch, alles kann und nichts muss.

Grundsätzlich scheiden die wenigsten Babys im Tiefschlaf aus. Das heißt Dein Baby wird wahrscheinlich etwas unruhig, wird richtig wach oder aber es ist noch im Halbschalf und hat dabei sogar die Augen geschlossen, wenn es ausscheiden muss. Auch nachts kannst Du es abhalten. Praktisch ist dabei, wenn Du eine Schüssel und ein Tuch direkt neben dem Bett stehen hast, damit Du nicht aufstehen musst. Außerdem ist es gerade nachts entspannter, wenn du nicht noch viel ausziehen musst. Dafür gibt es lange Nachthemden, die unten offen sind oder Schlafsäcke, deren Reißverschluss unten endet. Du kannst ein Backup für windelfrei nachts nutzen, wenn Du das möchtest.

Wenn du windelfrei nachts praktizieren möchtest, ist es in der Regel einfacher, mit Deinem Baby in einem Bett zu schlafen, weil Du seine Unruhe dann schneller mitbekommst und entsprechend schneller abhalten kannst. Solltest Du merken, dass Dich das Abhalten nachts stresst, kannst Du nachts schlicht wickeln und nur tagsüber die Windelfrei Methode praktizieren.

Windelfrei nachts (Video von Natalie Clauss)

Wie funktioniert das Windelfrei Abhalten?


Wenn Babys müssen und das von den Eltern (oder einer anderen Person) verstanden wird, werden die Babys abgehalten. Doch was heißt Windelfrei Abhalten und wie funktioniert das?

Wenn Du das Signal Deines Babys aufgenommen habt, heißt es schnell sein: Babys können nicht lange anhalten. Um das Baby schnell abhalten zu können, empfehlen sich spezielle Windelfrei Windeln aus Stoff oder eine Windelfrei Hose, die schnell geöffnet oder ausgezogen werden kann. Falls Du Dich für einen Windelfrei Windel entscheidest, so macht es Sinn dem Kind Stulpen anzuziehen, so dass Du lediglich Body und Windel öffnen musst. Die Schlitzhosen oder Windelfrei Hosen, haben einen Schlitz im Po-Bereich haben, so dass die Kinder schnell abgehalten werden oder selbst aufs Töpfchen gehen können.

Es gibt verschiedene Abhaltepositionen für Babys, die je nach Alter und individuellen Vorlieben mal mehr und mal weniger geeignet sind. Für ganz kleine Babys bietet sich das Abhalten in der Wiegeposition an, wobei die Babys viel Stabilität haben. Die Beinchen werden dabei angehockt und der Popo über eine Schüssel, ein spezielles Windefrei Töpfchen, das Waschbecken oder Ähnliches gehalten. Wenn Dein Baby den Kopf schon etwas halten kann, kannst Du es auch mit dem Rücken an Deinen Bauch lehnen, die Oberschenkel anhocken und es so abhalten. Je mehr Stabilität Dein Baby bekommt, desto kreativer kannst Du mit den Abhaltepositionen werden.

Darüber hinaus ist es nicht nur wichtig, dass Du die Signale des Kindes aufnimmst (wie oben beschrieben), sondern dem Kind auch selbst Signale gibst. So kannst Du das Ausscheiden weiterhin unterstützen. Es ist zunächst wichtig, dass das Kind weiß, dass es sich in einer sicheren Umgebung befindet, in der es in Ruhe sein Geschäft machen kann. Dies kannst Du über Laute machen, die einen Pipfluss nachahmen (Psch…, Psssss…, Sch…., Tzzzz… etc.). Alternativ kannst Du auch Worte wählen, die ihr sonst nicht im Alltag verwendet und die dem Kind zeigen, dass es nun Pipi oder Kacka machen kann. So kann das Kind eine Verknüpfung zwischen dem Laut und dem bewussten Ausscheiden lernen.

Windelfrei Abhaltepositionen (Video von Natalie Clauss)

Ab wann kannst Du Windelfrei praktizieren?


Du fragst Dich, ab wann Windelfrei möglich ist? Theoretisch kannst Du direkt ab der Geburt starten. Wichtig ist dabei allerdings immer, dass dies kein zusätzlicher Stress für Dich ist. Am wichtigsten ist schließlich, dass ihr erst einmal zusammen ankommt, dass ihr euch kennenlernt, miteinander kuschelt und dass das Stillen gut gelingt. Wenn das alles ganz entspannt für euch ist, könnt ihr mit dem Abhalten beginnen. Praktisch ist dabei, wenn ein kleines Windelfrei Töpfchen oder eine Schüssel in greifbarer Nähe ist, so dass Du nicht jedes Mal durch das halbe Haus oder die halbe Wohnung laufen musst. Dann hat Dein Baby wahrscheinlich auch längst schon ausgeschieden. Mach es Dir also so einfach und entspannt wie möglich! Und wenn Du erst nach einigen Wochen oder gar Monaten beginnst, ist das auch vollkommen OK. Es gilt jedoch: Je kleiner die Kinder sind, umso schneller gewöhnen sie sich an Windelfrei und das Abhalten.

Welches Equipment benötigst Du?


Eigentlich brauchst du gar nicht viel Neues, um Windelfrei auszuprobieren und umzusetzen. Es gibt jedoch ein paar Hilfsmittel, die es etwas leichter machen können.

So gibt es beispielsweise spezielle Abhaltewindeln, die einen Gürtel um den Bauch haben, sich zum Abhalten meistens nach hinten klappen lassen und nach dem Geschäft weiter genutzt werden können. Sollte die Einlage nass geworden sein, wird diese einfach ausgetauscht.

Ein *Windelfrei Gürtel kann Prefolds, Mullwindeln oder andere Einlagen halten und sorgt so für schnelles Abhalten. Die Einlagen werden einfach ausgetauscht, wenn sie nass sind.

Außerdem können verschiedene Windelfrei Töpfchen oder Windelfrei Schüsseln praktisch sein. Dabei gibt es Varianten aus Plastik und aus Emaille. Der Rand sollte dabei im Optimalfall oben abgerundet sein. Du kannst zusätzlich eine Umrandung aus Stoff für den Rand nutzen, so dass dieser nicht so kalt ist. Diese gibt es beispielsweise aus Baumwolle oder Wolle.

Bei der Kleidung empfehlen wir Zweiteiler. Denn wenn Du erst zehn Knöpfe bei einem Strampler öffnen und Dein Kind komplett ausziehen musst, dauert das zum einen sehr lange und ist zum anderen ist dies stressig für Dich und Dein Baby. Wer möchte, findet in verschiedenen Onlineshops spezielle Abhaltehosen; entweder mit einem Schlitz als Splitpants oder einem Loch als Cowboypants. All dies brauchst Du nicht unbedingt. Du kannst das Equipment auch Schritt für Schritt anschaffen und schauen, womit Du am besten zurecht kommst.

Diese Windelfrei Windel kannst Du wie eine normale Überhose verwenden. Um schnelles und problemloses Windelfrei Abhalten zu ermöglichen, kannst Du diese Windelfrei Windel vorne aufklappen und öffnen.

Dieses kleine Windelfrei Töpfchen, auch bekannt als Asiatöpfchen oder China-Töpfchen, ist sehr gut handhabbar. Dies ist die klassischste Form des Windelfrei Töpfchens.

Für alle, die gern auf Plastik verzichten möchten, kommt hier ein plastikfreies Windelfrei Töpfchen. Dieses Modell ist das erste plastikfreie Windelfrei Töpfchen, welches aus Emaille besteht. Es hat einen breiten Rand und ist daher zum Sitzen oder Hocken sehr bequem. Du kannst es zudem in der Spülmaschine waschen.

Ein Frottebezug für das Windelfrei Töpfchen sorgt für einen warmen Po und eine weiche Bettung und passt auf sämtliche Windelfrei Töpfchen.

Wichtig ist., sich selbst nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Daher kannst Du bei Stress und Anspannung auch auf eine Stoffwindel zurückgreifen. Einen Überblick über unterschiedliche Stoffwindelsysteme findest du HIER. Du solltest bei der Windelfrei Methode keinen Zwang auf das Kind ausüben. Es geht hier nämlich vordergründig um eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern / Kind sowie der Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse. Manchmal wehrt sich das Kind gegen das Windelfrei Abhalten. In solchen Fällen, solltest Du Geduld haben und Deinem Baby die notwendige Aufmerksamkeit schenken.
Bei der Windelfrei Methode geht es nicht darum, dass Dein Baby schnell sauber wird. 

Welcher Windelfrei Kritik sind Eltern ausgesetzt?


Die Windelfrei Methode ist mit vielen Vorurteilen behaftet, welche es den Eltern nicht unbedingt einfach machen.

Nicht selten hören Eltern, dass es sich um reine Konditionierung handeln würde. Irgendwann würde jedes Kind bei dem Signallaut ausscheiden – analog zum  Pawlowschen Experiment, bei dem der Speichelfluss von Hunden beim Glöckchenklingeln einsetzte in der Erwartung auf Futter. Doch probiere doch selbst einmal auf Toilette zu gehen, wenn Du nicht musst. Das funktioniert nicht!

Außerdem hören manche Eltern den Vergleich zum Töpfchentraining der DDR. Dabei wurden Kinder zu einem vom Erwachsenen gewählten Zeitpunkt auf das Töpfchen gesetzt und blieben solange dort sitzen bis sie ausgeschieden hatten. Doch das hat nichts mit dem Gedanken von Windelfrei zu tun. Bei Windelfrei beobachten Eltern ihre Babys, um zu erkennen, wann das Baby ausscheiden muss. Es ist kein beliebig gewählter Zeitpunkt, sondern richtet sich nach den Bedürfnissen Deines Babys.

Auch handelt es sich nicht um einen Zufall, wenn Dein  Baby in ein Töpfchen ausscheidet. Es gibt klare Rhythmen, in denen Babys ausscheiden müssen und die allermeisten Babys machen sich dabei auch bemerkbar. Es ist also kein Hexenwerk, sondern dahinter steckt vielmehr eine intensive Beziehung zwischen Eltern und Baby. Durch diese Beziehung lernen die Eltern die feinen Signale des Babys zu lesen.

Ein weiterer Aspekt, welcher in Bezug auf Windelfrei oft genannt wird ist, dass es unglaublich stressig wäre und viel Arbeit und Wäsche machen würde. Doch das stimmt nicht! Windelfrei soll Spaß machen und im Gegenteil soll es entspannt sein und den Alltag leichter und nicht komplizierter machen. Viele Babys sind deutlich zufriedener, wenn ihre Bedürfnisse erkannt und befriedigt werden. Schließlich würdest Du Dein Baby auch nicht in einer vollen Windel liegen lassen. Windelfrei setzt einfach einen Tick früher an, so dass Dein Baby möglicherweise gar nicht erst in die Windel ausscheidet. Außerdem ist die Ausscheidungskommunikation ganz individuell und jeder kann die Methode so umsetzen, wie es am besten in den Alltag passt – nur tagsüber, nur zu Hause, mit Backup oder ohne. Da gibt es viele Möglichkeiten.

Empfehlenswerter Onlinekurs


Im Onlinekurs Windelfrei von Familienbegleiterin Natalie Clauss erfährst Du alle wichtigen Grundlagen zum Thema Windelfrei noch detaillerter. Der Kurs geht immer wieder auf Erfahrungen von Beratungseltern und Natalies eigene  Erfahrungen ein. Den Kurs findest du unter diesem Link: https://natalieclauss.de/online-kurs/anmeldung/windelfrei

Der Kurs beantwortet Dir zudem konkret folgende Fragen:

  • Was ist Windelfrei?
  • Wie funktionieren die Ausscheidungen Deines Babys?
  • Welche Windelfrei Signal gibt es und woran kannst Du Dich sonst noch orientieren?
  • Wie kannst Du Dein Baby Windelfrei Abhalten?
  • Welches Zubehör gibt es und was benötigst Du für Windelfrei?
  • Welches Backup ist geeignet, wenn du nicht komplett auf Windeln verzichten möchtest, z. B. Windelfrei Windeln?

Empfehlenswerte Bücher und Blogs


Außerdem gibt es verschiedene Bücher zum Thema Windelfrei, welche sich zum Weiterlesen eignen. Hier ein paar Empfehlungen:

  • „Topffit“ von Laurie Boucke
  • „Es geht auch ohne Windeln!“ von Ingrid Bauer
  • „artgerecht“ von Nicola Schmidt
  • „Probier‘s mal ohne Windel“ von Doris Boser

Auf dem Blog www.patschehand.de findest Du einen Erfahrungsbericht über Windelfrei.

Natalie
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